ClickCease

Was Unternehmen über Ad Fraud wissen sollten – und was häufig übersehen wird

Wenn bekannte Zahlen trügerische Sicherheit erzeugen

In der Branche kursieren regelmäßig Schätzungen zu globalen Schäden durch ungültigen Traffic (Ad Fraud). Häufig ist von Beträgen im Bereich von rund 60 Milliarden US-Dollar pro Jahr die Rede. Auch wir hatten bereits auf Ad Fraud Schäden in Höhe von 71 Milliarden Dollar hingewiesen. Solche Zahlen schaffen Aufmerksamkeit – sie vermitteln aber auch den Eindruck, das Problem sei klar umrissen und messbar.

Genau hier setzt Dr. Fou mit seiner Kritik an. Er weist darauf hin, dass viele dieser Schätzungen auf Klick-Daten basieren. Damit wird jedoch nur ein sehr kleiner Ausschnitt betrachtet: das Ende einer langen Ausspielungskette. Ein Großteil des Budgets wird bereits vorher verbraucht – auf Ebene der Impressions.

Warum niedrige Invalid-Click-Raten kein Entwarnungssignal für Ad Fraud sind

Viele Unternehmen sehen in ihren Reports Invalid-Click-Raten von unter zehn Prozent. Das wirkt beruhigend. Laut Fou sagt diese Kennzahl jedoch wenig über die tatsächliche Qualität einer Kampagne aus.

Der Grund liegt im Messpunkt:
Die meisten Fraud-Analysen beginnen erst auf der Website des Werbetreibenden. Alles, was vorher passiert – also Einblendungen ohne echte Sichtbarkeit oder menschliche Aufmerksamkeit – bleibt unsichtbar.

„Die auf der Website gemessene Invaliditätsrate unterschätzt massiv den Anteil ungültiger Impressions – und damit den Teil des Budgets, der bereits bei der Ausspielung verloren geht.“

Für Media-Entscheider bedeutet das: Wer ausschließlich auf Klick- und Landingpage-Daten schaut, bewertet Kampagnen oft erst dann, wenn ein Großteil des Budgets bereits eingesetzt wurde.

Wie sich Bots an Abrechnungsmodelle anpassen

Ein zentraler Punkt in Fous Analyse ist die ökonomische Logik hinter Bot-Traffic. Bots agieren nicht zufällig. Sie verhalten sich so, wie es das jeweilige Abrechnungsmodell erfordert.

  • CPM-Kampagnen:
    Hier reicht es, Anzeigen zu laden. Ein Klick ist nicht notwendig und würde zusätzliche Spuren hinterlassen. Die Folge: hohe Impression-Zahlen bei unauffälligen Klickraten.
  • CPC-Kampagnen:
    In diesem Modell sind Klicks notwendig, um Erlöse zu generieren. Entsprechend verändert sich das Verhalten automatisierter Systeme.

Ein „sauberer“ Klick-Report ist daher kein Qualitätsmerkmal, sondern häufig nur ein Hinweis darauf, dass Klicks wirtschaftlich nicht erforderlich waren.

Warum IP-basierte Erkennung an ihre Grenzen stößt

Lange Zeit galt IP-Filterung als wirksames Mittel gegen Betrug. Diese Logik funktioniert heute nur noch eingeschränkt. Moderne Botnetze nutzen sogenannte Residential Proxies – also IP-Adressen realer Haushalte.

Das führt zu zwei Problemen:

  1. Unbeabsichtigte Ausschlüsse:
    Wird eine IP blockiert, betrifft das oft mehrere reale Nutzer in einem Haushalt.
  2. Geringe Wirksamkeit:
    Professionelle Botnetze wechseln IP-Adressen kontinuierlich und entziehen sich klassischen Sperrmechanismen.

Für Unternehmen heißt das: Technische Maßnahmen allein reichen nicht aus. Ohne ein Verständnis der Ausspielungslogik entstehen schnell falsche Annahmen über Reichweite und Qualität.

Warum „bereinigte“ Reports problematisch sein können

Ein weiterer Gedanke von Dr. Fou ist besonders relevant für strategische Entscheidungen:
Wenn Fraud-Anbieter ungültigen Traffic vollständig aus Reports entfernen, wirkt eine Kampagne auf dem Papier effizient – strukturelle Probleme einzelner Netzwerke bleiben jedoch verborgen.

In solchen Fällen wird nicht sichtbar, wo Budgets ineffizient eingesetzt werden. Transparenz ist hier wichtiger als kosmetisch saubere Kennzahlen. Nur wer problematische Umfelder erkennt, kann Kanäle bewusst bewerten oder ausschließen.

Einordnung für europäische Unternehmen

Die Kernaussage von Dr. Fou lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen:
Ad Fraud ist kein Randproblem einzelner Plattformen, sondern eine Frage der Messmethodik.

Für Unternehmen bedeutet das nicht, Plattformen pauschal zu misstrauen. Es bedeutet vielmehr, die eigenen Daten kritisch zu hinterfragen, Reports einzuordnen und Ausspielungslogiken zu verstehen – insbesondere bei reichweitenstarken Kampagnen.

Wer Mediaplanung langfristig optimieren will, kommt nicht umhin, auch unbequeme Fragen zu stellen:
Wo entstehen Kosten? Welche Daten liegen wirklich vor? Und welche Annahmen beruhen lediglich auf Konvention?

Quelle & Einordnung

Dieser Beitrag greift zentrale Thesen von Dr. Augustine Fou, einem international anerkannten Experten für Ad Fraud und Gründer von FouAnalytics, auf. In seinem Artikel „80% fraudulent impressions, but sub-10% invalid clicks. How?“ analysiert er, warum viele gängige Betrugskennzahlen das tatsächliche Ausmaß von Werbebetrug nur unzureichend abbilden.

Der folgende Text ordnet diese Beobachtungen für Marketing- und Media-Entscheider ein – insbesondere mit Blick auf den europäischen Markt und datengetriebene Mediaplanung.

Quelle: https://www.linkedin.com/pulse/80-fraudulent-impressions-sub-10-invalid-clicks-how-dr-augustine-fou-t4npe/

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